Flügel für Waisenkinder-Schule im Kloster Tschernoostrowski

Mittwoch, 19 Februar 2014

Flügel für Waisenkinder-Schule im Kloster Tschernoostrowski

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Wir steigen aus dem Bus. Der Boden ist steinhart. Minus 30 Grad Celsius ist wirklich kalt. Es ist der fünfte Tag unserer Russlandreise. Nach dem Konzert vom Vorabend in Kaluga steht heute die Besichtigung des berühmten Klosters Tschernoostrowski von Malojaroslawets, etwa zwei Autostunden südlich von Moskau, am Plan. Über den Köpfen der St. Florianer Sängerknaben und uns vom Herrenchor bildet sich eine Wolke aus gefrierendem Atem. 

Bin ich froh, die Kapuze meiner Daunenjacke mitgenommen zu haben. Jetzt zum Kloster-Sightseeing, dann Essen, Fahrt zur Konzerthalle, Probe und dann am Abend ein Benefizkonzert für das Kloster, das von der österreichischen Botschafterin in Russland, Frau Margot Klestil-Löffler, organisiert wurde.Unsere Führerin, eine der mehr als 100 im Kloster lebenden Schwestern, begrüßt uns mit den Worten: "Schön, dass ihr gekommen sein. Wir haben lange auf euch gewartet." Wir folgen ihr auf das Klostergelände mit weiß getünchten Gebäuden. Die goldenen russisch-orthodoxen Kreuze auf den Turmspitzen glänzen in der Sonne postkartentauglich vor tiefblauem Himmel.

Klosterempfang
                 Rechts: Der österreichische Kulturattacheè Mag. Simon Mraz, Mitte: Unsere Führerin

Die Schule
Wir beginnen die Führung im Vortragssaal. Spiegel für den Ballettunterricht, ein Klavier steht in der Ecke. Russisches Fabrikat. Kurz angespielt - Jössas... Weiter geht es in den Schultrakt. Hier werden aktuell 60 Mädchen unterrichtet. Waisenkinder, Straßenkinder oder Kinder aus desolaten Verhältnissen, die hier eine Zukunft finden. Sie werden in Klassen von 5 - 10 Kindern unterrichtet. Die Klassenzimmer sind liebevoll eingerichtet und dekoriert. Anschauliches Unterrichtsmaterial an den Wänden. Alles blitzsauber und gepflegt. Auch die Wohnräume der Mädchen, die wie Kinderzimmer bei uns aussehen. Nur aufgeräumter.

Kinder

Die Mädchen leben hier im Internat und besuchen die Schule bis zur "Matura". Fast alle schließen mit "ausgezeichnetem Erfolg" ab, erzählt unsere Führerin. Ihre hellblauen, vor Intelligenz sprühenden Augen, das Einzige was hinter ihrer schwarzen Kutte nicht verborgen bleibt, lassen vermuten, dass sie eine davon war.
Die Kinder lernen im Kunstunterricht das Malen und Herstellen von Ikonen, und die Klosterschwestern ließen sich ein Computerprogramm erstellen, mit dem Sie Ornamente zum Besticken von Stoffen selber designen können. Und wir sehen die große, raumfüllende, computergesteuerte Stickmaschine. Die hier entstehenden Kunstwerke verkaufen die Schwestern, um die Schule zu finanzieren.

Stickmaschine

Weiter geht es in mehrere sakrale Räumlichkeiten: Kirche, Kapelle, Gebetsräume. Eindrucksvoll eine riesige Kuppel mit wunderbaren Fresken. In der nächsten Kirche fallen mir unvollständige Wandmalereien auf. Teilweise wie mit Bleistift vorskizziert. Wir erfahren, dass die Klosterschwestern mit den älteren Schülerinnen die Fresken selber herstellen und nicht nur die Innenwände des Klosters kunstvoll verzieren, sondern auch die Gehwege, die von Eis und Schnee bedeckt sind, mit Mosaiksteinen künstlerisch gestalten. An der Außenwand einer Kapelle fällt mir ein wunderschönes buntes Mosaik auf. Dieses entstand aus dem Teeservice aus dem persönlichen Besitz der Äbtissin, die es den Kindern dafür überlassen hatte.

Das Empfangsfest
Unsere Führerin begleitet uns nun in den Festsaal, wo man eine Vorführung und ein Essen für uns vorbereitet hat. Der Anblick macht uns erst mal sprachlos. Wie bei Harry Potters Hogwarts, nur bunter. Ein Prachtsaal mit einer Speise-Tafel in U-Form. Allerfeinst gedeckt, wie in einem Fünf-Sterne-Hotel. Unfassbar. Die haben selber nichts und geben uns alles. Da fällt mir der erste Satz bei der Begrüßung am Eingangstor wieder ein.

Aebtissin

                                       vlnr: Prof. Farnberger, Dr. Lehner, Äbtissin, Mag. Mraz, Alisa Shanigina

Es folgen Vorführungen mehrerer Gruppen von Mädchen. Singen und Tanzen. Jeder Auftritt in eigenen prächtigen Kostümen, die selbst genäht werden. Die Mädchen gehen, ähnlich wie die St. Florianer Sängerknaben, auf Konzertreisen, und machen Werbung für ihre Schule und das Kloster.

Tanzvorfuehrung Kloster

Bei den Tanzvorführungen sitzen zwei Klosterschwestern an den Reglern beim Mischpult und die Musiklehrerin am Klavier. Sister Act lässt grüßen. Aber auch hier ist das Klavier eine „Niederlage“. Bei uns würde wohl jeder Klavierlehrer den Deckel für immer schließen.

Schwestern und Klavier

Es fehlt ein gutes Klavier
Beim Essen, das wirklich vorzüglich schmeckt, gedeiht in mir ein Gedanke. Diese Kinder brauchen wenigstens EIN ordentliches Klavier im Haus. Ich habe während der Führung in Summe vier Pianos geortet. Alle nach unseren Maßstäben nicht geeignet für Unterricht, Üben oder Vorspielabende. Hier muss etwas geschehen. Und ich muss mich darum kümmern.
Mit Dr. Paul Lehner von der Kulturabteilung des Landes Oberösterreich und Mag. Daniel Mraz, dem Kulturattaché der Österreichischen Botschaft in Moskau, die uns auf der Reise begleitet haben, habe ich die Idee besprochen. Beide waren sofort davon angetan und haben ihre Unterstützung des Projektes zugesagt. Mittlerweile haben wir schriftlich Kontakt mit der Äbtissin des Klosters und in einer Bedarfserhebung erfahren, dass der Schule am meisten geholfen wäre, wenn sie einen kleinen Flügel für den Festsaal bekommen. Das können wir gemeinsam schaffen.

Helfen Sie mit
Was uns alle fasziniert hat, sind der offensichtliche Fleiß, das zielorientierte Handeln und der liebevolle Umgang mit den Kindern. Die Klosterschwestern machen alles, was das Kloster und die Schule brauchen, selber: Fresken malen, Kinder aufziehen, kochen, unterrichten, schneidern, Marketing, Konzertreisen, etc. Und für die Finanzierung haben sie sich ein Computerprogramm und eine Maschine angeschafft. Die Schwestern warten nicht auf Knien betend auf Almosen, sondern nehmen die Aufgaben selber in die Hand, um diese Waisenkinderschule zu erhalten. Das ist beeindruckend. Solche Menschen braucht jedes Land, und man muss sie unterstützen.
Somit starte ich den Aufruf an all unsere Kunden, Leser und Freunde, das Projekt "Flügel für die Waisenkinderschule von Malojaroslawets" mit einer Spende zu unterstützen. Bitte überweisen Sie, wenn Sie an dem Projekt mitwirken wollen, eine Spende auf das Treuhandkonto der Notariatsbank (siehe unten). Auf einer Messingtafel werden wir alle Namen von Spendern eingravieren – die Tafel werden wir im Flügel anbringen.

Auch die österreichische Botschaft in Moskau und die OÖ. Landesregierung unterstützen das Projekt.
Und je mehr Geld wir zusammen bekommen, desto besser wird der Flügel sein, den wir in die Schule bringen. Es liegt noch viel Arbeit vor uns, und ich bin überzeugt, dass sich viele an dieser guten Sache beteiligen werden. Wir berichten hier weiter über den aktuellen Stand.
Bruno Weinberger

Bitte nicht mehr spenden! Der Flügel befindet sich auf dem Weg zu den Kindern in das Kloster. DANKE!!!

Wir berichten weiter...