Freddie Ravel - der Tasten-Motivationsmeister

Freitag, 20 Februar 2009

Freddie Ravel - der Tasten-Motivationsmeister

Freddie Ravel über den Bösendorfer Klang: "Ich würde ihn auch mit „dunkler Schokolade" beschreiben. Weil er reich und deliziös ist, und dunkel, weil er so wunderbar weich ist."

Earth Wind & Fire, Al Jarreau, Madonna, Quincy Jones, Carlos Santana und Sergio Mendes sind nur einige der große Namen, mit denen Freddie gearbeitet hat. Der Einfluss von lateinamerikanischer Musik hat den Jazzpianisten zu einem multikulturellen Tastenvirtuosen werden lassen. Die glühenden und sinnlichen musikalischen Arbeiten zeigen seine Leidenschaft für R&B, Klassik und Jazz, unterstützt durch seine eurokolumbianischen Gene und seine tiefe Spiritualität.

Als ein Grammy dekorierter Produzent, Aufnahme-Künstler der ersten Garde, innovativer Vortragender und Gründer von tuneuptosucsess®, demonstriert Freddie Ravel, wie Musik ein Macht-Werkzeug für das Leben ist.
Er begann als 23-jähriger mit dem brasilianischen Meister Sergio Mendes zu arbeiten. Welttourneen und zahlreiche Alben zeugen von der intensiven Zusammenarbeit. Soloalben folgten: "Midnight Passion", "Sol to Soul" und "Freddie Ravel", mit dem #1 Hit "Sunny Side Up". JAZZIZ beschreibt die Musik von Freddie als "a thrill ride of World Beat Fire to smooth originals" während die Los Angeles Times schreibt: "Ravel masterfully blends jazz textures, rock energy & tropical rhythms".
 
Eine Einladung von Madonna führte zur Zusammenarbeit bei der Produktion von "Evita". Verschiedenste Projekte, Aufnahmen und Konzertreisen mit Jennifers Lopez, Marcs Anthonys, Quincy Jones, Prince, Herbies Hancock, Carlos Santana und der Job als Musical Director" von Al Jarreau beschäftigten Freddie seit Jahren. Einer seiner großen Erfolge war " Givin' it Up ", die Titelnummer des Grammy preisgekörnten Albums von George Benson & Al Jarreau.
 
Freddie Ravel hat sich 2006 einen Traum erfüllt und den ersten Bösendorfer 290 Imperial mit CEUS Ausstattung, der in die USA geliefert wurde, gekauft. Im Rahmen des ersten Services nutzte Bruno Weinberger die Gelegenheit und führte das folgende Gespräch.

Das Interview:
 
Bruno Weinberger: Wie bist Du zur Musik gekommen?
Freddie Ravel: Meine ersten Erinnerungen habe ich so etwa als ich vier Jahre alt war. Das Musical Mary Poppins" mit dem Titel Chim-Chim-Cheree" hab ich heute noch im Ohr, ich liebe dieses Lied. Mein Vater ist Jude und in New York geboren. Seine Eltern kamen aus Russland ber Polen und Deutschland in die USA, meine Mutter ist Katholikin und kommt aus Kolumbien. Ich bin von meinen Eltern sehr offen erzogen worden. Meine Philosophie ist sehr universell, ich bin in einem multikulturellen Haus aufgewachsen, in dem Musik eine große Rolle gespielt hat. Wir lebten in einer kleinen Küstenstadt 200 Meilen nördlich von Los Angeles, etwa auf halbem Weg nach San Francisco. Mit 17 habe ich mich entschlossen nach Los Angeles zu gehen und Musik zu studieren.
 
Bruno Weinberger: Und wann bist Du zum Klavierspielen gekommen?
Freddie Ravel: Mit 11 habe ich begonnnen Klavier zu lernen. Vorher spielte ich jahrelang Akkordeon. Ich habe Polkas studiert (lacht). Sehr beeindruckt haben mich Dave Brubeck, Keith Jarrett, Chick Corea, Herbie Hancock, Stevie Wonder, Tower of Power und Weather Report mit Joe Zawinul.
 
Bruno Weinberger: Entdeckt" hat Dich eigentlich Sergio Mendes. Wie ist es dazu gekommen?
Freddie Ravel: Sein Percussionist hat mich empfohlen. Sergio hat mich daraufhin zu einer Probe eingeladen und gleich engagiert. Das war mein erster Schritt in das Big Business". Sergio ist ja ein exzellenter Klavierspieler. Meine erste Aufgabe war es, die zusätzlichen Instrumente auf den Tasten zu spielen, wie strings, horns, flutes, etc. Es war eine großartige Erfahrung.
 
Bruno Weinberger: Du hast mit Madonna produziert. Wie ist es, mit ihr zusammenzuarbeiten?
Fredie Ravel: Ich habe das Klavier bei der EVITA-Filmproduktion eingespielt. Das hat ihr so gut gefallen, dass ich dann auch das Video mit ihr gedreht habe. Ich habe sie kennen gelernt, als sie zu ihrem ersten Kind im 7. Monat schwanger war. Ich habe es geliebt, mit ihr zu arbeiten. Sie ist eine sehr taffe und professionelle Person. Sie versteht Musik sehr gut. Beim Einstudieren von „Dont cry for me Argentina" saßen wir zusammen am Flügel, ich spielte ihr vor und wir diskutierten den Stil, in dem wir den Song bringen wollen. Sie meinte, ich solle es so spielen wie Israel "Cachao" Lpez, der legendäre kubanische Bassist, Vater des Mambo, klingen würde. Das habe ich dann so gespielt und sie war begeistert. So haben wir den Titel auch aufgenommen. Sie ist sehr intelligent und weiß genau, was sie will und tut. Sie kann ihre Vorstellungen artikulieren und tut alles, dass es auch genau so wird. Sie ist 50 und voll im Geschäft.
 
Bruno Weinberger: Vor zwei Jahren hast Du Dir einen Bösendorfer 290 Imperial CEUS gekauft. Ist ja ein sehr spezielles Instrumente...
Freddie Ravel: Meine erste Bekanntschaft mit einem Bösendorfer habe ich bei Chick Corea gemacht, der einen 290 Imperial besitzt. Ich habe mein 2. Album Sol to Soul" in seinem Studio aufgenommen und alles auf dem Bösendorfer eingespielt. Ich liebte den Klang so sehr, dass ich von diesem Moment an auch so einen Flügel haben wollte. Ich spiele jedes Jahr auf der Namm-Show für verschiedene Firmen wie Yamaha oder Roland. Aber wenn ich Pause hatte, ging ich immer zu Bösendorfer auf den Messestand. Ich habe dort Leute kennen gelernt, die nicht nur Klaviere verkaufen wollen, sondern lieben, was sie tun. Das ist eine Einstellung, die ich in der Form bis dahin nicht gesehen hatte. Und ich kann es hören. Ich kann die Liebe und die Leidenschaft in meinem Flügel hören. Man könnte sagen, dass mich dieser Wiener Klang voll eingenommen hat. Und die Bösendorfer-Leute machen einfach alles, was erforderlich ist, um diesen Klang zu erzeugen. Die Kombination eines superb gebauten Instruments, seines Klanges und der Menschen dahinter hat mich wirklich beeindruckt.
Nach der Madonna-Produktion engagierte mich Al Jarreau als „Musical Director". Ich habe die Band zusammengestellt und wir waren viel auf Tour, auch in Wien. Bei einer Gelegenheit besuchte ich die Bösendorfer Fabrik und habe den, den Vorgänger des CEUS kennen gelernt. Das war 2000. Wir sind immer in Kontakt geblieben und zwischenzeitlich wurde der CEUS entwickelt. Den ersten der in die USA geliefert wurde, habe ich bekommen.
 
Bruno Weinberger: Was denkst Du darüber, dass Yamaha Bösendorfer gekauft hat?
Freddie Ravel: Zuerst dachte ich, was für ein Desaster. Dieser riesige japanische Konzern kontrolliert nun diese kleine Wiener Firma. Aber ich habe gelernt, dass die Japaner sich mit größtem Respekt der Aufgabe nähern. Was ich höre ist, dass sie nicht kontrollieren, sondern unterstützen. Das sind natürlich gute Nachrichten.
 
Bruno Weinberger: Wie würdest Du die unterschiedlichen Klangcharaktere der verschiedenen Markenhersteller beschreiben?
Freddie Ravel: Bösendorfer ist mein Favorit. An zweiter Stelle würde ich Fazioli reihen. Dann würde ich zu Steinway gehen, aber zum Hamburger Steinway. Der Bösendorfer besitzt einfach den singende Ton. Wenn ich nur ein paar Töne anschlage, spüre ich diesen besonderen Nachklang. Ich würde es auch mit „dunkler Schokolade" beschreiben. Weil er reich und deliziös ist, und dunkel, weil er so wunderbar weich ist. Er antwortet so wunderschön. Ich kann auch auf dem Bösendorfer tiefere Akkorde als auf jedem anderen Flügel spielen. Er zeichnet so klar, auch in den tiefen Lagen, wie ich es von keinem anderen Instrument kenne. Der Steinway ist kraftvoll, hat aber nicht diese singenden Qualitäten.
 
Bruno Weinberger: Deine letzte Platte war Latin music. Wie wird Deine nächste?
Freddie Ravel: Das Album ist fertig, erscheint im April und trägt den Titel „New Live". Ich würde die Musik als Flip Hop bezeichnen - eine Mischung aus Hip Hop und Flamenco mit Elementen aus Pop, Funk, California Sound - insgesamt sehr sexy.
 
Bruno Weinberger: Du hast eine 2. Karriere als Motivationstrainer mit Deiner Firma „tuneuptosuccess". Was hat es damit auf sich?
Freddie Ravel: Sie nennen mich den Motivational Maestro". Musik ist mehr als nur Unterhaltung. Es ist ein „Multi-Tasking-Power-Tool". Es geht um Melodie, Harmonie, Rhythmus und ein Element, das ich score" nenne. Das kann man auf alle Lebensbereiche übertragen. Ich gebe Dir ein Beispiel zu Rhythmus: Es gibt Leute, die sind ständig hektisch. Sie vergessen Dinge, geben Versprechen und halten sie nicht ein, probieren dies und das, bekommen nichts fertig, keiner vertraut ihnen, niemand arbeitet gerne mit ihnen. Solchen Menschen fehlt der Rhythmus, der Groove. Die besten Schlagzeuger der Welt spielen nicht hektisch, sie spielen solide. Duke Ellington meinte: It don´t mean a thing, if you aint got that swing." So ist es.
Bei „tuneuptosuccess" zeige ich mit den Mitteln der Musik, wie man seine Arbeit und sein Leben besser gestalten kann. Ich arbeite mit Regierungsorganisationen und Firmen wir NASA, Apple, Disney,.... Die Leute erzählen mir wie es bei ihnen läuft, ich sehe, wo deren Bedürfnisse liegen und spiele das dann in Form von Musik. Damit zeige ich, wie ihre Organisation funktioniert, was und wie man es verbessern kann.
 
Bruno Weinberger: Privat: Du wohnst hier in Woodland Hills, zwischen Malibu und Hollywood mit Deiner Frau Marie und Deinen beiden Kindern. Warum hast du Dir das Fleckchen ausgesucht?
Freddie Ravel: Wir können glücklich sein, ein so schönes Fleckchen gefunden zu haben. Es scheint meistens die Sonne, wir sind sofort in der Stadt, 20 min. vom Strand, 45 min. zum Flughafen LAX. Es ist hier sehr privat und man würde nicht glauben, wie nahe wir an der Stadt leben. Wir gehen oft wandern oder Rad fahren mit den Kindern und nutzen die Berge ausgiebig. Ich liebe es, alles so nahe zu haben.
So, jetzt muss ich aber los, ich spiele am Abend mit meinen Freunden von Earth, Wind & Fire in der Stadt...

Bruno Weinberger: Danke fürs Gespräch!